Im Ortsmuseum fand am 25. Januar eine Führung durch die Ausstellung «Basler Künstler-Larven» statt.
Urs B. Mäglin lotst die zwanzig Besucherinnen und Besucher in den obersten Stock des Ortsmuseums. Hinter der mit «Basler Künstlerlarven aus dem Atelier der Familie Tschudin 1925–1984» angeschriebenen Tür beginnt der «Larvenhimmel». Mäglin ist in seinem Element: Wenn er von den Larven spricht, ist die Begeisterung unüberhörbar. «Jede Larve hat eine eigene Geschichte und wurde sorgfältig kaschiert, gemalt und aufgezogen.» Mäglin trägt Frack, Fliege und Melone. Es ist seine Verkleidung als guter Museumsgeist «MuBi».
Mehr als tausend Larven gehören zur Sammlung des Ortsmuseums Binningen. Sie wurden dem Ortsmuseum von Ruth Eidenbenz-Tschudin geschenkt, der Tochter des Firmengründers Adolf Tschudin. Es sind «Werke von rund fünfzig der bekanntesten Basler Künstlerinnen und Künstler, die in der Firma Tschudin AG während Jahrzehnten Larven kreierten», sagt Mäglin. Die Tschudin AG («Fahnen– oder Larven-Tschudin») geht zurück auf eine Spielwarenfabrik, die von 1918 bis 1923 in Binningen an der Brückenstrasse beheimatet war.
Das Spezielle an den Tschudin-Larven: Sie wurden von hiesigen Künstlerinnen und Künstlern verziert. Nach dem Ersten Weltkrieg hatten viele von ihnen kaum Aufträge. Larven-Tschudin gab ihnen Arbeit und liess sie vor den «drey scheenschte Dääg» Larven bemalen. «Sie arbeiteten ganz nach ihrem eigenen Rhythmus, kamen teilweise erst gegen Abend, bemalten dann aber auch die ganze Nacht lang Larven», berichtet Mäglin. «So konnten die Künstlerinnen und Künstler Geld verdienen für die nächsten Monate.»
Am Larvenhimmel im Ortsmuseum hängen Larven, soweit das Auge reicht. Einige sind fertig bemalt, andere noch weiss, während noch einmal andere mit Markierungen versehen sind, als würde demnächst eine Künstlerin zum Pinsel greifen und sie fertig bemalen. Die Herstellung der Larven war aufwendig und die Larven waren teuer. «Die Larven kosteten schnell einmal mehr als hundert Franken – und das vor siebzig Jahren», so Mäglin. Tempi Passati: Heute werden die Originale gewisser Künstlerlarven, etwa von Irène Zurkinden, für Tausende von Franken verkauft. Das ist definitiv nicht die Sorte Larve, die zur Verschönerung von Kreiseln verwendet wird (BWB berichtete).
Mäglin nahm sich während der Führung Zeit für Fragen. Ein Besucher wollte wissen, woher das Wort «Waggis» stammt. Mäglin skizziert zwei Theorien. Die Erste bezieht sich auf den Wasgau im Elsass. Die Zweite auf das «Wagsnit», das die Waggis den Leuten entgegenriefen: «Ich tendiere zur Wasgau-Erklärung, aber sicher ist das nicht», sagte Mäglin. Nach seiner ersten Fasnachtserinnerung gefragt, antwortete er: «Wir hatten lange Zeit einen Tambourmajor bei uns zu Hause auf dem Estrich, der nach meinem Vater gestaltet war.» Sein Vater Rudolph «Bolo» Mäglin lebte von 1898 bis 1973 und war Journalist, Schriftsteller und Kabaretttexter. «Eines Tages haben mir ältere Nachbarbuben den Major über den Kopf gezogen und ihn darin durch die Beizenfasnacht gezerrt», so Mäglin. «Es war stockfinster, ich sah nichts und konnte mich kaum bewegen. In den folgenden Jahren bin ich vor dem Tambourmajor davongerannt. Man kann sich kaum vorstellen, wie laut es in einem solchen Kopf ist.»
Von diesem Trauma war an der Führung nichts mehr zu spüren. Dafür kamen umso mehr Begeisterung für die Fasnacht und auch etwas Nostalgie zum Ausdruck. Dafür etwa, dass gewisse Cliquen heute ihre Masse an Fabriken in China schicken, die die Kostüme und Larven herstellen, hat er wenig übrig. Umso mehr begeistert er sich für die Künstlerlarven im

