Zirkus Fantastico verzaubert Binningen

Am Freitag und Samstag gastierte der Zirkus Fantastico beim Mühlematt-Schulhaus. Die Hauptprobe begeisterte.

Das blau-gelbe Zelt des Zirkus Fantastico stand in der prallen Sonne auf dem Sportplatz des Schulhauses. Kurz vor der zweiten Hauptprobe füllten sich die Zuschauerränge zur Hälfte. Die Manege lag leer, der rote Vorhang blieb geschlossen. Nicht einmal der Punktstrahler leuchtete. Es herrschte freudige Anspannung auf den Zuschauerrängen. Immer wieder setzten sich Artistinnen und Artisten auf die Ränge, um die Proben der anderen Zirkusgruppen zu beobachten.


Da öffnete sich der Vorhang. Die Manege füllte sich mit 150 Kindern – vom Kindergarten bis zur sechsten Klasse. Sie sangen das Begrüssungslied, begleitet von Xylofonen. Weil das Mühlematt 300 Schülerinnen und Schüler hat, wurden die Kinder in zwei Gruppen geteilt, die jeweils zwei Aufführungen machten und gemeinsam sangen. Nach dem Eröffnungslied kündeten Kinder die Nummern mit selbstgemalten Schildern an. Beim Hula-Hoop liessen die Artistinnen und Artisten Gymnastikreifen kreisen. Das Publikum jubelte, klatschte und rief begeistert.

 


Intensive Woche


Beim Zaubern hielten viele den Atem an: Ein Junge kletterte in einen Holzwürfel, der abgedeckt wurde. Die Zauberer stiessen Holzstäbe durch die Kiste, als wäre sie leer. Nachdem alle Stäbe steckten, zeigten die Zauberer die Kiste von allen Seiten, zogen die Stäbe heraus – und zauberten nicht nur ein, sondern gleich drei Kinder aus dem Würfel.


Auch als Tiger und Geparden verkleidete Kinder traten auf. Dompteure führten sie in die Manege, wo sie fauchten, Krallen zeigten und auf ein Gestell kletterten. Daneben brachten Clowns das Publikum zum Lachen und Fakire liefen über Glasscherben oder standen auf Nagelkissen.


Die Kinder wirkten nicht nur in der Manege mit, sondern auch hinter den Kulissen. Ein Team von Schminkspezialistinnen sorgte für das passende Aussehen der Artistinnen und Artisten. Andere Kinder malten Schilder, bastelten Bauchläden oder schrieben das Programmheft. «Die zuständige Lehrerin hat bis spät in die Nacht kopiert, damit wir 1000 Stück davon verteilen können», berichtete eine Lehrerin aus dem Organisationskomitee. Auch bei der Technik halfen Schülerinnen und Schüler, etwa am Punktstrahler oder am Steuerungscomputer.


Zum Zeitpunkt der Hauptprobe lag eine intensive Woche hinter den Kindern, wie Schulhauskoordinator Daniel Scherrer erzählte. Am Montag und Dienstag probierten die Kinder ihre Fähigkeiten aus. Ab Mittwoch stellte das Team das Programm zusammen und ab Donnerstag wurde es einstudiert. Unterstützt wurden sie vom Zirkus Luna, einem zirkuspädagogischen Projekt, das in der ganzen Schweiz Projektwochen für Schulen und Kindergärten anbietet. Die Idee zur Zirkuswoche entstand im letzten Jahr. Einige Lehrerinnen des Mühlematt-Schulhauses schlugen das Projekt vor. «Also haben wir entschieden, das zu tun – im kindlichen Übermut!», sagte Scherrer und lachte. Auf die grössten Herausforderungen angesprochen, erklärte er: «Die Kinder rechtzeitig bereit zu haben, war nicht einfach – vor allem bei den Kleinen. Da braucht es Geduld und Ruhe.»

 


Gemeinsamer Kraftakt


Die vier Aufführungen wurden durch einen gemeinsamen Kraftakt möglich. «Einen Teil des Budgets deckten wir mit Mitteln für Projekte und Gesundheitsförderung», erklärte Scherrer. Zusätzlich rief das Organisationskomitee zu Spenden bei Eltern und Binninger Firmen auf. Auch die Gemeinde und der Kanton unterstützten das Projekt, Letzterer mit einer Defizitgarantie.


Am Sonntag nach der letzten Aufführung berichtete Scherrer. Dabei schwärmte er von den Aufführungen und freute sich, dass alles gut geklappt hatte. Nach der Aufführung am Samstag seien die Leute bei schönstem Wetter noch etwas länger geblieben. «Wir hatten es noch ausgiebig lustig», berichtete er. Scherrer erinnerte aber auch an den Arbeitsaufwand, der dahinterstand: «Wir hatten 25 von Lehrerinnen und Lehrern geleitete Ateliers, bei denen wir jeweils zur Sicherheit eine zweite Person brauchten. Ausserdem unterstützten uns 70 Eltern. Sie passten auf Kinder auf oder flickten und wuschen Kostüme.» Gefragt, was ihm vom Zirkus bleibt, sagte er: «Es war eine sehr schöne Zeit, sie hat bei den Kindern neue Seiten aufscheinen lassen. Für das Schulhaus ist es wunderbar, dass die Kinder so im Rampenlicht standen.»

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